Run with the Wind
Portland
Odyssee eines Besessenen
Den Tag vergessen wir besser. Nichts gegen sportlichen Ehrgeiz, aber man kann sich auch in was hineinsteigern. So wie ich mit der Sonnenbrille. Die wollte ich heute unbedingt erwerben, aber wo? Ich dachte da an große Malls, und die größte in Portland ist das Clackamas Town Center, ganz im Süden der Stadt. Der Weg dorthin auf der 82nd Ave war ätzend, elend lang und viel Verkehr. In dem Center nutzte Doro die Gelegenheit, bei Kaffee und Kuchen Karten zu schreiben. Währenddessen bin ich durch die Läden gehetzt. Nichts! Also noch mal schnell aufs Rad - Doro blieb solange im Café - und zig Läden auf der 82nd abgegrast. Wieder nichts! Um den Tag nicht völlig nutzlos verstreichen zu lassen, wollten wir uns im OMSI einen Film anschauen. Der Weg dorthin war zwar teilweise ein schöner Radweg, vorbei an Brombeeren, aber auch nur teilweise. Der größte Teil war reiner Stress. Und wir kamen natürlich zu spät zur Vorstellung.
Auf dem Hinweg waren wir am angeblich größten Kino von Oregon vorbeigekommen, vielleicht wäre ja das noch was. Aber da war ja immer noch meine fehlende Sonnenbrille. Ich überredete Doro, auf dem Weg dorthin noch am Lloyd Center, einem ebenfalls riesigem Einkaufszentrum, vorbeizuschauen. Das lag doch beinahe auf dem Weg. Also fuhren wir durch dicken Verkehr auch noch dorthin. Natürlich ohne jeden Erfolg. Während der weiteren Fahrt kam es zu einem ernsten Malheur, ich verlor Doro aus den Augen. Irgendwie bin ich an einem Kreisel zu schnell abgebogen, jedenfalls war sie verschwunden. Ich fuhr völlig aufgelöst hin und her, bis ich sie dann doch wieder sah. Die Nerven lagen blank.
Das Kino war eigentlich schon abgeschrieben, wir versuchten es trotzdem. Als wir total geschafft dort ankamen, hatte die Vorstellung bereits vor 10 Minuten angefangen. Also nichts wie rein, egal was lief. Und es lief, wie sollte es auch anders sein, nur Sondermüll, den Inhalt hier wieder zu geben, wäre reine Verschwendung. Auf dem Rückweg hoffte ich in meinem Wahn tatsächlich immer noch auf ein Wunder in Form eines riesigen Optikerladens. Doro's Geduld war grenzenlos. Wie eine Betreuerin begleitete sie ihren momentan geistig umnachteten Patienten. Der Tag war jedenfalls für die Katz, den nehme ich auf meine Kappe.

61,07 Kilometer / 100 Höhenmeter




