Run with the Wind
Mount St. Helens National Monument
Mount St. Helens National Volcanic Monument
Heute nacht ist die Temperatur auf den Gefrierpunkt gesunken, dementsprechend dauert es seine Zeit, bis wir in die Gänge kommen. Die Idee, Zelt und einen Teil der Ausrüstung hier zu lassen, verwerfen wir. Da hätten wir den ganzen Tag über kein gutes Gefühl. So klettern wir vollbepackt weiter bergauf, bis wir mit Bear Meadow einen Pass erreichen. Mal gut, dass wir hier nicht übernachtet haben, dass wäre schwierig geworden. Abgesehen davon, dass es sicherlich verboten ist, toben hier zu viele Leute rum.
Wir rollen jetzt runter bis zur sogenannten «Edge», dem Rand der Verwüstungszone. Hier endet der Wald ziemlich abrupt, statt grüner Bäume ragen nur noch abgebrannte Baumleichen in den Himmel. Nur ein paar hundert Meter weiter, und es steht kein einziger Baum mehr. Durch den Druck der Explosion wurden alle Bäume umgefegt und gleichen nun einem Mikadospiel für Riesen. Aber die Natur erholt sich ziemlich schnell, überall sieht man neue Bäume nachwachsen. In weiteren 20 Jahren wird hier wohl nicht mehr viel von den Folgen des Ausbruchs zu sehen sein.
Die Straße führt weiter bergab bis zum Meta Lake. Hier gibt es tatsächlich eine Pumpe, die wir gleich antesten. Das Wasser ist eisenhaltig, aber gut. Den kleinen Fußweg radeln wir, gehfaul wie wir sind, durch eine interessante Vegetation bis zum See.
Die Straße windet sich wieder durch diese unwirkliche Gegend nach oben. Als nächster Höhepunkt erwartet uns ein Blick auf den Spirit Lake, der zu einem großen Teil mit Baumleichen bedeckt ist. Bei dem Ausbruch kam es zu einer riesigen Flutwelle, die all diese Bäume mit sich gerissen hat.
Die FR 99 endet an der Windy Ridge. Hier schließen wir die Räder fest und klettern die obligatorischen Treppen zu einem Aussichtspunkt. Es zieht hier gewaltig, die Windy Ridge macht ihrem Namen alle Ehre. Von hier oben hat man eine tolle Sicht auf den Mount St. Helens mit seinen Lavaströmen und auf den Spirit Lake. Der Vulkan verlor durch den Ausbruch 1980 rund 500 m seiner Höhe. So zeigt er sich heute auch in einem ziemlich dramatischen Gesicht. Statt eines zuckerhutförmigen Kegels besteht er nun aus einem riesigen Krater. Inmitten dieses Kraters befindet sich allerdings ein kleiner aktiver Kegel, das heißt der Berg wächst wieder. Das Betreten dieser Zone ist allerdings absolut verboten.
Auf dem Rückweg kehren wir noch in einer Art Souvenirshop mit Restaurant ein. Der teure Hot Dog haut uns aber nicht gerade um. Viel wichtiger ist dann auch die Pumpe am Meta Lake, wo wir die Wassersäcke wieder auffüllen. Um einen Campground brauchen wir uns heute keine weiteren Gedanken zu machen, wir freuen uns schon auf unseren schönen Platz. Dort hat sich nichts verändert, wir können fast sogar die selben Löcher für die Heringe verwenden. Das Benzin reicht noch für heute, morgen werden wir aller Wahrscheinlichkeit nach wieder die Zivilisation erreichen. So erfreuen lecker Spaghetti mit scharfer Salsasoße unsere Gaumen und füllen die verlorenen Kalorien wieder auf.
49,47 Kilometer / 850 Höhenmeter




