Run with the Wind
durch Wälder zum Dach von Oregon
Bergetappe auf einsamen Straßen
Die FR 46 ist quasi autofrei. Damit gewinnt die heutige Etappe schon einmal ungemein. Die schmale Straße folgt dem Breitenbush River durch einen dichten Wald. An der nächsten Kreuzung hätten wir die Möglichkeit eines Abstechers zu den Breitenbush Hot Springs. Wir verzichten auf die zusätzlichen 5 Kilometer, man kann ja nicht alles haben. Die Steigung nimmt stetig zu, auf den letzten Kilometern vor dem Breitenbush Saddle wird es geradezu extrem steil. Zum Glück können wir gefahrlos die gesamte Straßenbreite für eine Slalomfahrt ausnutzen. Nach insgesamt 600 Höhenmetern belohnt der Pass auf 1200 m mit einem grandiosen Blick zurück auf den weißen Gipfel des Mount Jefferson. Hier beginnt der Mt. Hood National Forest, in dessen Zentrum der gleichnamige höchste Berg Oregons regiert.
Auf wunderschöner einsamer Straße sausen wir wieder rund 500 Höhenmeter bergab, das Radeln ist ein Genuss. Wir müssen irgendwann auf die FR 42, laut Reiseführer gibt es eine Abkürzung dorthin. Leichsinnigerweise folgen wir einem nicht ausgeschilderten Weg, der uns zwar wieder mächtig nach oben bringt, aber gleichzeitig zu einer gewissen Orientierungslosigkeit führt. Das hat keinen Sinn, so kommen wir nie aus dem Wald heraus. Also zurück auf die FR 46 und weiter bis zur "offiziellen" Kreuzung. War die Straße bis hierher einsam und romantisch, die FR 42 setzt noch einen drauf. Einspurig und verschlungen begrüßt sie uns, leider aber auch mit einer deftigen Steigung. Bei Dorothea scheint was nicht zu stimmen, vielleicht lag es an dem halben Apfel, den sie vorhin gegessen hat. Sie zieht los, dass ich nur mit Mühe ihr Tempo halten kann. In einer scheinbar endlosen Bergfahrt klettern wir wieder bis auf 1200 m. Es geht zwar kurzzeitig wieder 150 Höhenmeter runter, aber unsere Hoffnung auf ein Ende der Bergfahrt wird enttäuscht. Wir folgen der achterbahnartig angelegten Straße rauf bis auf 1400 m. Die Kräfte lassen dabei ganz schön nach. Aber hier in der Nähe vom Summit Lake scheinen wir tatsächlich den Gipfel erreicht zu haben.
Der Preis des nächsten Campgrounds von 12 Dollar ist für uns indiskutabel, das geht doch auch günstiger. Wir kommen mit einem älterem Mann vom Forest Service ins Gespräch, der Verständnis für unseren Geiz (besser: Sparsamkeit) zeigt. Er bietet uns an, ihm zur «Forest Station» zu folgen, dort könne er uns mit Infos versorgen. Zum Glück geht es weiter bergab, viel Kraft zum Verfolgen eines Autos haben wir wirklich nicht mehr. An der Station treffen wir auch seine Frau, beide machen sich jetzt echt Gedanken um unser Schicksal heute Nacht. Wir lassen durchklingen, dass uns wild Zelten nichts ausmacht, Wasser gibt es ja hier an der Station. Nach längerem Überlegen empfehlen sie uns einen Platz, der eine 3/4 Meile entfernt von hier liegt. Wir tanken beide Wassersäcke voll, die dann freundlicherweise von den beiden im Auto transportiert werden.
Der Platz ist zwar nicht unbedingt erste Wahl, für meinen Geschmack auch ein bisschen dicht an der Straße, aber wir wollen nicht unhöflich sein. So bedanken wir uns herzlich, bekommen auch noch Kuchen (2 Brownies) von der Frau geschenkt. Zum Schluss gibt's noch eine kleine Fotosession, dann machen wir uns ans Zeltaufbauen. So schlecht ist der Platz gar nicht, ein dicker, oben abgefräster Baumstamm stellt einen wunderbaren Tisch dar. Auf der Straße ist sowieso kein Verkehr, entspannt können wir uns der Körperpflege (außen und innen) widmen. Es ist mittlerweile stockfinster, höchste Zeit, die beiden Säcke zu füllen (Bären- und Schlafsack).
76,37 Kilometer / 1450 Höhenmeter




