Run with the Wind
Vulkane und Bergseen
Cascade Lakes Highway
Der gestrige Tag hat schwere Spuren bei Doro hinterlassen. Nach dem späten Frühstück sitzt sie apathisch am Tisch, es geht ihr gar nicht gut. Ich krame die Badehose hervor und erkunde den See. Ein herrlicher Sandstrand und kristallklares Wasser laden zu einem Schwimmerchen ein. Der See tut auch Doro gut, nach dem Kontakt mit dem Wasser geht es ihr wieder etwas besser. So sind wir um 12:00 Uhr dann wieder startbereit. Der ganze Platz scheint übrigens von Hörnchen regiert zu werden. Überall tummeln sich furchtlose gestreifte Kerlchen, die gnadenlos vom Frühstückstisch Besitz ergreifen, wenn man nicht aufpasst.
Die heutige Strecke ist das krasse Gegenteil von gestern. Dieser Teil der US 60 belohnt mit glattem Asphalt und tollen Blicke auf den Crescent Lake und die umgebenden Berge.

Wir erreichen auf ruhiger Straße ohne größere Steigungen die Kreuzung «Crescent Junction». Dort lädt ein kleiner Laden zur Rast ein, unser Lebensmittelvorrat muss sowieso aufgestockt werden. Mit Kuchen, Milch und Cola auf einer schattigen Bank lässt es sich in der Mittagshitze aushalten. Wobei die Temperatur hier schon weitaus gemäßigter ist als im Backofen bei Grants Pass. Weiter geht's auf der breiten US 58 zur Crescent Cutoff Road bis wir auf die US 46 stoßen. Diese Straße ist auch unter dem Namen Cascade Lakes Highway bekannt und wurde uns wärmstens empfohlen. Sie führt einsam an vielen Seen und Vulkanen vorbei.
Der Highway verschont uns zunächst mit größeren Steigungen und lässt uns gemütlich durch die endlose Waldlandschaft rollen. Wir wollen heute nicht mehr allzu viele Kilometer schrubben, am nächsten See, dem Davis Lake sind auch mehrere Campingplätze auf der Karte eingezeichnet. Die unangenehme Überraschung kommt mit der Einfahrt zum ersten Campground. Wir befinden uns urplötzlich auf einer Schotter- und Sandpiste, die an unseren gestrigen Wunden rührt. Kein Campingplatz weit und breit, wahrscheinlich gibt es hier nur wieder diese «primitive campgrounds» ohne Wasser. Wir gehen kein Risiko ein und kehren wieder um. Die Karte verspricht ja noch mehr Plätze. Die Landschaft ändert sich, wir fahren ein einem riesigen schwarzen Lavafeld vorbei. Ein spektakulärer Kontrast zu den vielen grünen Bäumen.
An der Einfahrt zum nächsten Campingplatz treffen wir auf eine Familie, die gerade angestrengt nach oben starrt. Sie klären uns auf, in einer Baumkrone befindet sich ein bewohntes Adlernest. Wir dürfe durch das Fernglas schauen bevor die schlechte Nachricht kommt: Der Campingplatz befindet sich am Ende einer 10 Kilometer langen Sandpiste und hat kein Wasser. Aber man tröstet uns, 15 Kilometer weiter, am Crane Prairie Reservoir sei ein Platz vom National Forest. Die Leute sind sehr nett und geben uns etwas von ihrem Wasser.
Auf schnurgerader Piste geht es weiter, eine ereignislose Stunde später erreichen wir besagten Platz. Hier haben wir die Auswahl an einigen schönen Plätzen, von denen wir uns den hintersten (wegen des Duschens) aussuchen. Die Wasserversorgung besteht aus einer einzigen Pumpe, einige Meter entfernt. Ein Wohnwagenbesitzer winkt mich vertraulich heran und führt mich zu seinem «Geheimtipp». Eine Quelle direkt am See, mit unglaublich gut schmeckenden Wasser. Jetzt kann das Wohlfühlprogramm starten, Dusche aus dem Wassersack, danach Abendessen, heute Nudeln mit Gemüse auf Zwiebelbett.
66,66 Kilometer / 150 Höhenmeter




