Run with the Wind

Vulkane und Bergseen


Irrfahrt um den Diamond Lake    Inhalt    Cascade Lakes Highway

unvergessliche US 60

Das Thermometer zeigt heute morgen frostige 2 Grad an. Die Nacht war wunderbar ruhig, der Schlaf erholsam, so sind die Pferde um 9:00 gesattelt. Es liegt eine gewisse Spannung in der Luft, ist die US 60 nun befahrbar oder nicht? Wir beschließen, uns beim Laden am See zu erkundigen. Der Ladenbesitzer dort rät uns dringend davon ab diese Piste zu benutzen. Sogar mit einem Auto sei es schwierig, durch den tiefen Schotter und Sand durchzukommen. So kehren wir ziemlich entmutigt um, jetzt heißt es wohl doch, den großen Umweg in Kauf zu nehmen. Wir haben bereits etliche Meter erklommen, da überholt uns ein Rennradfahrer. Er ist auf dem Weg zum Crater Lake, bereitwillig hält er aber an und wir diskutieren unsere Lage. Seiner Meinung nach ist der Weg zu schaffen, er habe ihn vor Jahren mit einem Mountainbike befahren. Es kristallisieren sich folgende Pro's und Contra's heraus: 1. Der Umweg auf der US 138 ist asphaltiert, weist keine größeren Steigungen auf, ist aber viel länger, ziemlich langweilig und sehr stark befahren. 2. Die US 60 ist eine steile Schotterpiste, aber viel kürzer und «much more scenic». Wir bedanken uns für die Entscheidungshilfe und drehen wieder um. Lieber ein bisschen Schotter als einen Tag im dicken Verkehr.

Hier am Diamond Lake nutzen wir noch die letzte Gelegenheit, Benzin nachzutanken und unseren Haferflockenvorrat weiter aufzustocken. Wasser gibt es laut Auskunft vom National Forest Info Center bei Campingplätzen an der Strecke. Bis zur Kreuzung US 60 sind es noch 10 Kilometer, die wir in einer tollen Abfahrt schnell hinter uns bringen.

Materialtest auf der US 60

Die ersten Meter der US 60 sind noch asphaltiert, dann ändert sich der Belag schlagartig in den angedrohten tiefen Schotter. Es geht 7 Kilometer schnurgerade bergab zum Umpqua River. Wir kommen zwar nur langsam voran, aber immerhin können wir fahren. Es ist ziemlich heiß, die Sonne sticht. Am Fluss ist ein Campingplatz eingezeichnet, der sich aber als Primitive Campground erweist. Kein Wasser, außer das aus dem Fluss natürlich. Aber das müsste erst entkeimt werden. Wir fahren ein Stück zurück, an der Brücke haben wir einen Wagen gesehen. Die Besitzer sind allerdings nicht mehr da. Also nix mit Wasser. Wir haben jeweils 1 1/2 volle Flaschen, das könnte ein bisschen knapp werden. Mir entweichen einige Flüche, was war denn das für eine Sch...-information? Nach kurzer Beratung entschließen wir uns, den Aufstieg zum Windigo Pass trotzdem in Angriff zu nehmen. Die Straße geht zwar ziemlich steil bergauf, hat aber einen ganz passablen Belag. Ein Wagen vom National Forest Service kommt uns entgegen, die beiden Frauen sind sehr nett, wir können unsere Flaschen mit ihrem Wasser auffüllen. Die Auskunft nach dem weiteren Weg ist allerdings nicht sehr ermutigend, vor dem Pass soll er in einem ziemlich schlechten Zustand sein.

Die Piste bleibt steil und wird immer schwieriger. Die Sonne brennt, wir hecheln langsam höher. Aus Schotter wird roter Sand, stellenweise ist nur noch Schieben möglich. Doro's Beine haben die ungesunde Farbe des Sandes angenommen, so eine Art Ausschlag. Zwei Tücher zwischen Fahrradhose und Strümpfe geklemmt geben ihr eine orientalische Note, schützen aber gut vor der Sonne. Irgendwann erreichen wir endlich den Pass, ein Päuschen ist dringend angesagt. Hier kreuzt der Pacific Crest National Scenic Trail, der berühmte, über 4000 Kilometer lange Wanderweg von Kanada nach Mexiko.

einer der besseren Abschnitte...

Endlich geht es bergab. Die Freude währt nicht lange, die Straße entwickelt sich zu einer gefährlichen Sandpiste. Auf einmal macht es hinter mir einen lauten Schlag. Ich denke schon das Schlimmste, aber zum Glück ist Doro nicht gestürzt. Ein Stein hat sich zwischen Hinterrad und Schutzblech geklemmt und das Schutzblech wie eine Ziehharmonika zusammengefaltet. Der Schaden ist gering, das Schutzblech ist aus Kunststoff und lässt sich wieder gerade biegen. Der Sand endet irgendwann und weicht bösartigem schwarzen tiefen Schotter, der Fahren fast unmöglich macht. Die letzten Kilometer bis zur Kreuzung NF 6020 bringen wir nun größtenteils schiebend hinter uns. Die NF 6020 ist relativ dick in unserer Karte eingezeichnet, was wir irrtümlicherweise mit Asphalt gleichgesetzt haben. So ist die Enttäuschung groß, wieder nur einen Schotterweg vorzufinden.

Mühsam fahren wir weiter, bis wir endlich den Crescent Lake erreichen. Ein Schild «National Forest Campground» lässt uns hoffen, wir biegen in eine Sandpiste ein. Einige Zelte sind zu sehen, aber kein Campingplatz. Wann nimmt die Schinderei denn endlich ein Ende? Der Sand ist tief, ein Fahren kaum möglich. Schließlich treffen wir auf mehrere Camper am See. Wir werden bitter enttäuscht, dies ist wieder nur ein Primitive Campground ohne Wasser. Zwei Männer verweisen uns an das westliche Ende des Sees, dort sei ein Campingplatz mit Wasserversorgung. Das bedeutet, wieder zurück auf die NF 6020. Die beiden sind ziemlich erstaunt über unsere heutige Tour. Wir könnten doch auch hier zelten, etwas Wasser hätten sie übrig. Das ist ja sehr nett, aber wir brauchen auch dringend eine Dusche, so kehren wir wieder um. Noch weitere 2 Kilometer, wir sind kurz fast am Verzweifeln, da ändert sich schlagartig die Situation. Wir glauben, unseren Augen nicht zu trauen, eine asphaltierte Straße liegt vor uns, rechter Hand ein Abzweig zu besagtem Campground. Dass der Platz 10 Dollar kostet und keine Duschen hat, kann uns jetzt auch nicht mehr schocken, Hauptsache, es gibt fließend Wasser. Die Uhr zeigt mittlerweile 20:30, die Dunkelheit setzt ein und es ist wieder empfindlich kühl geworden. Allerhöchste Zeit für eine ausgiebige Dusche aus dem Wassersack und einem ordentlichen Abendessen mit Reis und Gemüse.

73,77 Kilometer (Schotter: 35 Kilometer) / 550 Höhenmeter

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