Run with the Wind

Vulkane und Bergseen


Crater Lake National Park    Inhalt    unvergessliche US 60

Irrfahrt um den Diamond Lake Bizare Felsen am Kraterrand

Die Nacht ist ruhig, bis uns morgens um 8:00 Uhr ein Auto weckt. Irgend so ein Idiot lässt seine Karre laufen ohne loszufahren. Mit Weiterschlafen ist nichts mehr drin, es ist eh Zeit zum Aufstehen. Wir zelten auf einer Schicht mit sehr feinem Staub, der sich gnadenlos festsetzt wenn er aufgewirbelt wird. Dementsprechend vorsichtig packen wir unsere Sachen. Im Laden kaufen wir noch ein Brot Marke «Schaumstoff» für satte 3 Dollar.

Am Ausgang des Campgrounds treffen wir zwei ziemlich durchtrainierte Radler, die ersten im Hinterland. Sie kommen gerade von Union Creek und wollen heute noch weiter zum Crater Lake. Respekt! Um zur nördlichen Parkstraße zu gelangen, müssen wir auch erst mal wieder rauf zum See. Während des Aufstiegs überholt uns das Pärchen in flottem Tempo auf ihren Rädern, die offensichtlich keine Berggänge haben. Oben treffen wir uns wieder und kommen ins Gespräch. Shelly und Scott waren vor Jahren schon einmal hier, da war wohl wegen schlechten Wetters und Waldbränden nicht allzu viel zu sehen. Wir setzen unsere Unterhaltung im Restaurant bei einem Imbiss fort.

Schneevergnügen bei 30 Grad

Die Weiterfahrt auf dem westlichen Rim Drive ist ein absoluter Hochgenuss, wir haben unglaublich schöne Aussichten auf den Crater Lake und Wizard Island. Die Farbe des Sees ist wirklich das schönste Blau, das man sich vorstellen kann. Es geht weiter bergauf, in der Ferne sehen wir einige schneebedeckte Vulkane. Ein Schneefeld am Straßenrand lädt zu einer kleine Rutschpartie ein, bei 30 Grad im Schatten! Schließlich erreichen wir die Kreuzung und schießen ein letztes inneres Foto von diesem Naturwunder.

In rasendem Tempo geht es bergab, die Landschaft ändert sich mit der Pumice Desert kurzzeitig zu einer weitläufigen Steppe. Bald haben wir die Grenze des National Parks erreicht und folgen der US 138 zum Diamond Lake. Hier soll laut Shelly und Scott ein schöner preiswerter Campingplatz sein. Auf der Karte sind sogar 3 Plätze eingezeichnet. Dummerweise biegen wir nicht an der richtigen Stelle ab sondern bleiben auf der US 138. Irgendwann weist ein Schild auf einen RV-Park hin. Wir fahren einen schönen Waldweg entlang, der aber kein Ende zu nehmen scheint, auch sehen wir keinen Campingplatz. Schließlich erreichen wir tatsächlich den See. Wenn wir jetzt nur noch wüssten, wo wir auf der Karte hier sind. Ein schmaler asphaltierter Radweg führt am Ufer entlang, wir folgen ihm hoffnungsvoll. Großartig anhalten und Landschaft bewundern ist hier nicht drin, tausende von extrem hungrigen Mücken raten zur Weiterfahrt.

Diamond Lake

Endlich treffen wir zwei Radler, die Licht in die Sache bringen. Wir müssen zurück, haben den See offensichtlich schon halb umrundet. Zum Glück können wir auf dem schönen Radweg bleiben, der wie eine kleine Achterbahn angelegt ist. Die beiden fahren zuerst vor, halten unser Tempo aber trotz Gepäckvorteil dann doch nicht mit. Der RV-Park hat keinen Zeltplatz, wir müssen wieder ans südliche Ende zurück. Immerhin gibt es hier einen Laden, ein paar Reservehaferflocken können nicht schaden. Das ganze östliche Ufer ist ein einziger Campingplatz, wie konnten wir daran nur vorbeifahren? Wir werden auf einen Hiker Biker Platz verwiesen, der angeblich nichts kosten soll. Das ist doch mal was. Zurück am Südufer treffen wir zwei alte Bekannte, Shelly und Scott haben ihr Zelt schon längst aufgestellt und wollen gerade Pizza essen gehen. Wir sollen sie heute Abend mal besuchen, die beiden übernachten ganz regulär auf Platz G7, in der Nähe eines Duschhauses.

Der Hiker Biker Platz ist wunderschön, wir sind mal wieder völlig alleine hier, sogar ein beheiztes Toilettenhaus mit fließend Wasser ist unser. Und alles umsonst. Nachdem unsere Mägen mit lecker Gemüse auf Reis in Form gebracht sind, machen wir uns auf den Weg zu den Duschen. Es ist mittlerweile dunkel, der Campingplatz hat riesige Ausmaße, der reinste Irrgarten. Hoffentlich finden wir wieder zurück. Shelly und Scott haben es sich bei einer Gaslampe gemütlich gemacht und planen gerade ihre weiter Strecke. Ihre Route muss offensichtlich etwas geändert werden. Die US 60 zum Crescent Lake soll nicht befahrbar sein, das bedeutet zurück und einen weiten Umweg auf der US 138 und US 97. Ja aber wir wollen doch auch auf diesem Weg zum Crescent Lake?!? Egal, das wird morgen geplant.

Shelly gibt uns zum Schluss noch etwas Englischunterricht. Sie meint, selbst viele Amerikaner wüssten nicht den Unterschied zwischen «to lay» und «to lie». Wir werden aufgeklärt: «to lay (laid, laid) - etwas hinlegen», «to lie (lay, lain) - sich hinlegen». Letzteres haben wir auch bald vor. Die Duschen sind toll, wir verabschieden uns und machen uns auf den Rückweg. Im Stockfinsteren ist dies eine äußerst spannende Sache. Ich fahre voraus und versuche mich an den Weg zu erinnern, Doro klebt dicht hinter mir. Wir haben Glück, eine Viertelstunde später liegen wir in den Schlafsäcken.

65,08 Kilometer / 600 Höhenmeter

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