Run with the Wind
Rogue River - Crater Lake
«Beat the heat»
Die Rache des kleinen Radlers besteht aus den wohltönenden Klängen eines leeren Stahltopfes, der mit Wasser gefüllt wird und dann schwungvoll den Deckel aufgesetzt bekommt. Dies und andere Klänge geben heute morgen ein gutes Gefühl, die Antwort auf den gestrigen Terror. Es ist 5:30 Uhr, der heutige Tag soll im Zeichen einer Flucht vor der Hitze stehen. Wir wollen so viel Höhe wie möglich gewinnen, die Backofenfahrt von gestern hat uns doch sehr beeindruckt. Unsere Drahtesel werden mit unverminderter Lautstärke gepackt, schon blicken die ersten verschlafenen Gesichter missmutig zu uns herüber.
Es ist kühl als wir um 7:15 Uhr starten. Die Straße ist wie leergefegt, auf einer großen Brücke überqueren wir den Rogue River in seiner eindrucksvollen Schlucht. Wir erreichen das 2-Häuserdorf Cascade Gorge mit Tankstelle und Einkaufsmöglichkeit. Unser Sprit wird knapp, eine gute Gelegenheit zum Nachtanken. Der Ladenbesitzer ist sehr freundlich, er rät uns zu einer Nebenstrecke nach Prospect, dem nächsten Ort. Diese Strecke sei wunderschön und obendrein sehr verkehrsarm. Heute konnten wir uns diesbezüglich ja noch nicht beschweren. Außerdem beruhigt er uns bezüglich der Hitze, hinter Prospect führt die Straße durch einen dichten Wald, dort hätten wir Schutz vor der Sonne. Die Angaben stimmen, die Fahrt bis Prospect ist wunderschön, eine leichte Steigung, die uns nicht von einem flottem Tempo abhält. Hinter dem Ort stoßen wir wieder auf die US 62, die, ebenfalls bei leichter Steigung,
schnurgerade durch einen phantastischen Wald führt. Hohe Bäume blicken links
und rechts majestätisch auf uns herab, die Sonne hat hier kaum eine Chance. Wir gewinnen unmerklich an Höhe, bei Union Creek haben wir dann bereits 500 Höhenmeter geschafft. Dieser Miniort hat einen Campingplatz, was unsere Wasserflaschen freut und einen Laden, den wir zu einer Pause nutzen. So klein der Laden auch ist, ich entdecke schöne große rote Äpfel, die sofort in unseren Lebensmittelvorrat übergehen.
Kurz hinter Union Creek gibt es was zu sehen, die Rogue River Gorge, spektakuläre Stromschnellen in einer engen Schlucht. Wir halten etwas oberhalb und bestaunen die tosenden blauen Wasser, die dicht an uns vorbeischießen. Ein paar Meter weiter biegt die US 60 rechts ab, der Highway geht als US 230 weiter geradeaus. Wir folgen der US 60, die uns unter dem Namen «Crater Lake Highway» zum Ziel bringen soll. Es sind nur noch ungefähr 30 Kilometer bis zum Park, dafür aber etliche Höhenmeter. Wir schrauben uns langsam nach oben, trotz vorgerückter Stunde bleiben die Temperaturen erträglich. Einfach ist die Strecke deswegen aber nicht, die Steigung will nicht enden. Ich überprüfe unseren Standort regelmäßig auf der Karte und gebe Doro aufmunternde Infos wie "...so weit ist es ja nicht mehr ..." durch. Der Crater Lake Highway fordert immerhin 750 Höhenmeter, bis wir Mazama Village, den Campground des National Parks erreichen.

Der Campingplatz ist so groß, dass es einige Zeit und Runden dauert, bis wir eine zufriedenstellende Wahl getroffen haben. Ein schönes, schattiges Plätzchen, die Wasserversorgung nicht weit. Hier gibt es auch einen Laden, kaum sechshundert Meter entfernt. Der ist aber nichts für Großeinkäufe, die Preise sind einfach unglaublich. Trotzdem, eine große Flasche Milch und Haferflocken müssen drin sein. Am Eingang des Camps stehen Schilder, auf denen vor Bären gewarnt wird. Man soll seine Sachen im Auto verschließen. Na toll, und was machen wir? Ich habe keine Bärenbox gesehen. Der Ranger meint, Bären seien die letzten Monate nicht mehr gesichtet worden, alles kein Problem. Seines sicherlich nicht, wir suchen in bewährter Manier einen Baum, auf den wir unseren Bärensack hochziehen. Wir sind beide ziemlich geschafft, die letzten Tage in der Hitze und dazu die beiden Nächte mit wenig Schlaf machen sich bemerkbar. Aber hier ist es erträglich, wir liegen auf 1875 m, das sind immerhin gut 1200 Meter höher als letzte Nacht. Hoffentlich ist morgen auch so schönes Wetter wie heute, der See wirkt laut Reiseführer besonders eindrucksvoll bei Sonnenschein.
72,52 Kilometer / 1250 Höhenmeter




