Run with the Wind

Rogue River - Crater Lake


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über die Bear Camp Ridge in den Backofen

Die Nacht war sehr ruhig, weder Autos noch Bären störten unseren Schlaf. Doro ist heute morgen aber so müde, dass sie sich nach dem Frühstück noch mal ins Zelt legt. Ich schleiche so lange durchs Gelände, mal schauen, ob ich nicht doch einen Bären finde. Negativ, nur schwarze Würste. Um 11:00 Uhr sind wir dann wieder startbereit. Die Steigung von gestern setzt sich gnadenlos fort, aber immerhin sind wir jetzt ausgeruht. Je höher wir steigen, desto öfter werden wir belohnt durch phantastische Aussichten auf scheinbar endlose Wälder. Am Horizont ist der Pazifik noch als schmales Band zu erkennen, das fließend in den blauen Himmel übergeht.

Aufstieg zur Bear Camp Ridge

Nach 3 Stunden Bergfahrt und weiteren 550 Höhenmetern erreichen wir mit dem Pass die Bear Camp Ridge auf 1500 m. Der Zeltplatz dort ist sogenannter «Primitive Campground», außer einem Plumpsklo und einem Tisch mit 2 Bänken unterscheidet er sich nicht sonderlich von unserem gestrigen Platz. Der wesentliche Punkt ist, hier gibt es auch kein fließendes Wasser. Eine Weiterfahrt hätte sich gestern somit gar nicht gelohnt, ganz abgesehen davon dass wir das eh nie geschafft hätten. Nachdem der Pulsschlag wieder einen gemäßigten Takt schlägt, beschleicht uns das stolze Gefühl von Gipfelstürmern. Wir sitzen unter dick mit Flechten behangenen Bäumen, genießen unsere Pausenbrote und den grandiosen Blick nach Norden. Schön ist vor allem zu wissen, von nun an geht's bergab (höhenmäßig).

Galice, die nächste Ortschaft, liegt über 1000 m tiefer, dementsprechend erwartet uns eine lange Abfahrt, die nur von zwei kurzen Steigungen unterbrochen wird. Plötzlich kollidiere ich mit einem großen Insekt, das an meiner Lippe hängen bleibt. Es beißt sofort zu, ich bekomme einen Riesenschreck. Bei manchen Viechern reagiere ich allergisch, wenn nun die Lippe anschwillt, ist Schluss mit lustig. Kurze Zeit später macht es ein lautes «Pling», eine Hummel ist gegen meine Klingel geknallt. Sie schwirrt bösartig um mich rum, ich ergreife die Flucht. Jetzt ist aber wirklich Vorsicht geboten. Die Lippe hat sich glücklicherweise wieder beruhigt. Ist das Gefälle am Anfang noch gemäßigt und lässt Zeit für Ausblicke, wird es jetzt immer steiler und damit anstrengender. Wir legen Pausen ein, um die durch das Bremsen strapazierten Hände auszuschütteln. Je tiefer wir kommen, desto wärmer wird es. Die letzten Kilometer sind sehr schön, es geht durch eine tiefe Schlucht entlang des Galice Creek.

In Galice trifft uns nach dem kühlenden Fahrtwind die Hitze wie ein Hammerschlag. Wir retten uns unter ein Verandadach vor einem Laden und kühlen uns mit einem Eis ab. Das Thermometer zeigt 35 Grad im Schatten. Der Ort, bestehend aus dem Laden und ein paar Lodges, steht voll im Zeichen von Rafting, erkennbar an vielen Booten und zugehörigen Touristen. Hier fließt wieder der Rogue River, dem wir dann auch weiter nach Osten folgen. Ein paar Kilometer später stoßen wir auf einen (natürlich vollen) Campingplatz des National Forest. Der Ranger hat für 13 Dollar noch einen schönen Platz für uns, etwas abseits von den vielen Campern mit ihren Kajaks. Das Zelt wird schnell aufgebaut, dann nichts wie zum Fluss, der Rogue River lädt zum Baden ein. Im Wasser kehren die Lebensgeister sofort zurück, es ist einfach herrlich, sich mit der Strömung treiben zu lassen.

So ganz alleine sind wir dann doch nicht, für Hunderte von Mücken heißt es "Ring frei". Kein Wunder, wir zelten dicht am Fluss. Die sanitären Anlagen sind total runtergekommen, wir begreifen allmählich den Zusammenhang: Je teurer der Platz, desto schlechter die Einrichtungen.

54,71 Kilometer / 600 Höhenmeter

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