Run with the Wind

Die Pazifikküste


auf der Straße der 7 Teufel    Inhalt    Abschied vom Pazifik

nervige Holzlaster und spektakuläre Küste

Gewohnheitsmäßig stehe ich vor Doro auf, werfe nach meinem morgendlichen Waschgang den Kocher an und bereite das Frühstück vor. Das Klappern mit dem Kochtopf ist gleichzeitig der Weckgong für Doro. Heute sind wir vergleichsweise früh fertig und starten schon um 9:30 Uhr.

"Frühstück ist fertig!"

Wieder in Bandon suchen wir auf Schleichwegen den Bandon Beach Loop Drive, verfahren uns jedoch kläglich. Wir geraten in dichten Küstennebel, was der Szenerie eine eigene, interessante Atmosphäre verleiht. Hinter dem Meeresarm mit vielen Möwen ist der Leuchtturm von gestern vage zu erkennen. Um zu unserer Küstenstraße zu gelangen, müssen wir aber wieder umkehren. Diese führt dicht an der Steilküste entlang, der Blick auf das Meer ist uns aber leider durch den Nebel verwehrt.

Der Bandon State Park wartet mit vielen kleinen Buchten und bizarren Felstürmen in allen Variationen auf. Ich stehe da, die Kamera schussbereit und hoffe auf ein Nebelloch. Ab und zu geben die Schwaden einen ansatzweisen Blick auf diese phantastische Küste frei, ich drücke sofort den Auslöser. Wir können hier aber nicht ewig stehen und setzen unsere Fahrt fort. Nach 5 Kilometern biegt die Straße rechtwinklig nach links ab und erreicht nach einem weiteren Kilometer den Highway 101, der schnurgerade nach Süden führt.

Blaubeerpause

Hier kommen wir wieder in den Genuss eines besonders stark befahrenen Abschnitts. Die Holzlaster fallen besonders negativ auf, sie brettern gnadenlos an uns vorbei, ohne großartig auszuweichen oder gar das Tempo zu drosseln. Die Fahrt wird zu einem regelrechtem Horrortrip, die Nerven kollabieren. Kurz bevor die Situation eskaliert, erreichen wir ein Marmeladengeschäft am Straßenrand. Ein Korb mit frischen Blaubeeren lässt den Blutdruck wieder sinken und löst die Spannung. Einigermaßen gestärkt wagen wir uns wieder auf den Highway. Die 30 Kilometer bis Port Orfort vergehen im wahrsten Sinne des Wortes wie im Flug, der Rückenwind schiebt uns nur so dahin, selbst Bergetappen mindern unsere Geschwindigkeit nur unwesentlich.

In Port Orfort ist es mal wieder an der Zeit, einzukaufen und zu tanken. Letzteres ist doch immer wieder was besonderes. Die Tankwarte schauen meist etwas verblüfft, wenn ich sie um Auffüllen der Benzinflasche bitte. Es zeigt sich dann sehr schnell, wie gut sie ihr Geschäft beherrschen. Man braucht hier nämlich ein spezielles Fingerspitzengefühl, der Zapfhahn darf nur ganz vorsichtig betätigt werden. Ansonsten schießt der Kraftstoff in hohem Bogen wieder aus der Flasche raus und kaum etwas bleibt drinnen. Das erheitert dann weder den Mann am Hahn noch mich (ich halte meistens die Flasche) sonderlich. Am liebsten tanke ich daher selber, das ist aber nicht überall möglich. Mein Mann hier hat aber das nötige Händchen, ein Schub und die Flasche ist bis zur gewünschten Marke gefüllt. Auch wenn es ans Zahlen geht, stelle ich eine Ausnahme im typischen Tankstellengeschäft dar. Im allgemeinen fallen Kosten so um die 25 Cent an, je nach Service gebe ich dem Zapfer schon mal 100 Prozent Trinkgeld. Beim Zahlen an der Kasse fragen mich die Kassierer oftmals erstaunt, was ich denn für ein sparsames Gefährt habe. Oder sie denken, die Zapfsäule ist defekt.

Küste hinter Port Orfort

Mit Port Orfort erreichen wir auch wieder den Pazifik, der sich hier, am Battle Rock Wayside State Park von seiner schönsten Seite zeigt. Der Himmel leuchtet strahlend blau, aus dem Meer ragen große Monolithen auf und geben der Küste einen dramatischen Charakter. Der Sturm ist geradezu unglaublich, wir retten uns hinter eine kleine Mauer, da die Gefahr besteht einfach umzukippen. Das Fotografieren wird zum Balanceakt, ich stemme mich mit aller Kraft gegen den Orkan. Bis zum heutigen Campingplatz sind es noch 10 Kilometer, vorsichtig fahren wir weiter.

Es geht noch einmal bergauf, dann direkt an der Küste wieder bergab, fast bis auf Meereshöhe. Direkt vor dem 500 m hohen Humbug Mountain biegt die Straße ab und erreicht kurz darauf den Humbug Mountain State Park. Der Hiker Biker Platz liegt etwas abseits von den Campingplätzen, er ist kaskadenförmig am Hang angelegt. Der schönste Platz ist bereits von einem Fahrradfahrer der seltenen Süd-Nord-Spezies belegt. Er hat die Küste bereits in unserer Richtung hinter sich gebracht und fährt nun die gleiche Strecke zurück. Na dann viel Spaß! Kurze Zeit Später trifft ein weiterer Radfahrer ein, eine urige Gestalt mit Rauschebart. Er zückt gleich eine halbvolle Flasche Wein und klärt uns auf, nur damit wäre die Strecke zu schaffen. Aha, noch so ein Süd-Nordler. Er ist auf dem Weg nach Alaska. Wir lehnen ein Gläschen seines Dopingmittels dankend ab und widmen uns dem Abendessen zu (heute mal wieder Spaghetti mit Salsasoße). Bevor es in den Schlafsack geht, mache ich noch einen kleinen Ausflug zum Strand. Hier lockt eine schöne Bucht direkt am steil aus dem Meer aufragenden Humbug Mountain. Was ist diese Küste doch schön!

69,42 Kilometer / 150 Höhenmeter

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