Run with the Wind
Die Pazifikküste
mit Rückenwind zum Carl G. Washburne Mem. S.P.
Die Bedingungen der heutigen Etappe kann man nur als traumhaft einstufen. So einen Rückenwind habe ich selten erlebt, uns fehlten eigentlich nur noch Segel. So haben wir trotz der späten Startzeit von 10:30 Uhr viel gesehen und einige Kilometer hinter uns gebracht. Mit einer Besichtigung des Yaquina Head Lighthouse, einem der größten Leuchttürme Oregons, gingen wir den Tag relativ ruhig an. Interessant waren die vielen Spiegel und starken Lampen in der Turmspitze. Der Turm befindet sich auf einer sehr reizvollen Landzunge mit vorgelagerten Vogelfelsen. Unterhalb der Steilklippen bekamen wir Einblick in die bunte, faszinierende Welt der Tidepools. Seesterne, Krebse, Muscheln und vielfältige Wasserpflanzen kann man hier bei Ebbe aus nächster Nähe beobachten.
Ein frischer Wind schob uns weiter bis Newport, Nebelbänke wechselten mit Sonnenschein. Unsere Route führte uns auf ruhigen Nebenstraßen durch Newport bis zu einem chinesischen Restaurant, das wir dann auch von innen besichtigten. Wie meistens nach chinesischen Restaurantbesuchen fühlte ich mich anschließend nicht mehr ganz fahrtüchtig (nein, kein Alkohol, eher angefressene Völle).
Die Überquerung der Yaquina Bay Bridge war mal wieder ein kleines Abenteuer für sich, steil ging es hoch, steil ging es runter, und das auf einem schmalen hohen Bürgersteig. An diesem Abschnitt der Küste fallen die ungewöhnlich vielen State Parks auf. Wir wählten den Seal Rock State Park für eine kleine Pause, ein kurzer Spaziergang führte zu der spektakulären Felsenküste. Seal Rock selbst ist eine Hochburg für Kettensägekunst, von großen Holzbären bis zu filigransten Holzschnitzereien wird hier alles geboten. Bei gut gefüllter Geldbörse und genügend Platz im Gepäck ist dies ein idealer Ort für Souvenirs. Wir begnügten uns mit einer Besichtigung und ein paar Fotos.
Ein entgegenkommender Radfahrer ließ uns wieder bewusst werden, wie schlau es ist, an der Pazifikküste von Norden nach Süden zu fahren. Der arme Kerl war eingepackt wie im Winter und kämpfte Meter für Meter gegen den kalten Wind an. Wir dagegen ließen uns leicht bekleidet dahintreiben und genossen die Fahrt. Die nächste Ortschaft Waldport erreichten wir in einem regelrechten Anflug über eine ziemlich lange Brücke, und das ohne auch nur ein einziges Mal zu treten. Hier lud ein letztes Sonnenloch zu einer kleinen Pause am Strand ein. Der Himmel zog sich dann bis Cape Perpetua völlig zu, es kühlte auch merklich ab. Hier wollten wir eigentlich übernachten, fanden aber nur einen Campground vom National Forest vor. Dieser sollte 14 Dollar pro Platz kosten, völlig überteuert und obendrein noch ohne Duschen. Als nächste Übernachtungsmöglichkeit käme der 30 km entfernten Carl G. Washburne Memorial State Park in Frage. Der Wind stand ja supergünstig, warum sich also nicht weiterschieben lassen.

Die darauffolgende Strecke war einfach phantastisch, eine Traumfahrt, die nur schwer zu beschreiben ist. Wir flogen im höchsten Gang durch die atemberaubende Landschaft, die einem Vergleich mit der Westküste Neuseelands durchaus Stand hält. Die Sonne kam wieder zum Vorschein, über dem Meer trieben dramatische Nebelformationen. Viel zu schnell erreichten wir den State Park, der mit den üblichen günstigen Hiker-Biker Konditionen aufwartete. Hier konnten wir geschützt im dichten Wald unser Zelt aufschlagen, den Luxus einer warmen Dusche nicht weit entfernt.
77,38 Kilometer / 200 Höhenmeter




