Run with the Wind
Die Pazifikküste
Cape Kiwanda oder "die Düne ruft"
In der Nacht wurden wir von einem direkt neben unserem Zelt parkenden Auto aufgeweckt. Dazu jede Menge Geflüster, angereichert mit "Scht ... scht ..." und "Psss ...psss ..." Heute morgen gab es die Auflösung: eine Familie, ebenfalls mit Zelten, die ihre 6 (!) Kinder so geräuschlos wie möglich ins Bett gebracht hatte. Sie entschuldigten sich dann auch mehrmals für die nächtliche Störung.
Es ist kalt heute morgen. Wir radeln locker auf ebener Strecke die Netarts Bay entlang, allmählich wird uns wieder warm. Mit dem Cape Lookout erwarten uns 250 zu erklimmende Höhenmeter. Zwischen Nebelschwaden erhaschen wir einen Blick auf den gleichnamigen State Park, eine lange Sandzunge, welche die Netarts Bay fast vollständig umschließt. Wir überlegen noch, ob wir dort nicht einen Ruhetag einschieben sollten. Dafür müssten wir aber wieder zurückfahren, also weiter. Bei Sandlake treffen wir auf die ersten ausgedehnten Dünenlandschaften, unvermittelt ist alles weiß und sandig.
Ziel unserer heutigen kurzen Etappe ist Cape Kiwanda, wo wir im nahen RV-Park einen schönen Hiker Biker Platz finden. Hier lässt sich zu Recht behaupten, wir hätten auf Sand gebaut. Man muss schon sehr aufpassen, um den Sand nicht überall hin zu verstreuen. Hauptgäste und Attraktion dieses Zeltplatzes sind
Hunderte von Kaninchen in jeder Farbe und Schattierung. Die Mümmelmänner genießen hier wohl einen Sonderstatus, dürfen sich überall breit machen und haben auch wenig Scheu vor den Campern.
Der Tag ist noch jung, so beschließen wir, eine Wanderung zum Cape zu machen. Hier gibt es eine große, extrem steile Düne, die ein paar Waghalsige nach dem Motto "einen Schritt vor, zwei zurück" auf direktem Wege zu erklimmen versuchen. Wir wählen die etwas gemäßigtere Variante seitlich, die es trotzdem noch ganz schön in sich hat. Oben angekommen blicken wir sprachlos auf die phantastische Küste. Kilometerlange menschenleere Strände vor steilen, grün bewachsenen Dünen. Nach einer Gipfelpause wagen wir den direkten Abstieg auf der steilen Seite, ein echtes Gaudi, wie barfuss Skifahren. An der Küste zugewandten Seite der Düne wandern wir zum eigentlichen Highlight des Capes, den spektakulären Sandsteinklippen. Doro's Phantasie überschlägt sich. Sie sieht Dampfer, Fische und andere Dinge in den bizarren Felsformationen, während ich mich mit dem Fotografieren bremsen muss. Wieder zurück beim Zelt, stehen wir vor der Herausforderung, eine möglichst sandfreie Mahlzeit zu kochen, was gar nicht so einfach ist.
33,47 Kilometer / 280 Höhenmeter




