Run with the Wind

von Portland zum Pazifik


Hektik auf der US 25    Inhalt    zur «Three Capes Scenic Route»

endlich am Pazifik

Die Nacht war friedlich, kein Bär verging sich an unserem Packsack. Der Tag beginnt mit einem ordentlichen Frühstück, die Sonne dringt allmählich bis zu unserem Zeltplatz durch. Gestärkt und gut gelaunt machen wir uns an die letzten 100 Höhenmeter, bevor uns dann der Wind bei einer berauschenden Abfahrt um die Nase weht.

Spruce Tree

Wir legen eine Pause bei einer Gruppe Baumriesen ein, die uns sehr beeindrucken. Hier kann man den größten «Spruce Tree» Amerikas bestaunen. Der Verkehr hat wieder sein altes Format erreicht, Portland muss doch mittlerweile entvölkert sein. Gegen Mittag erreichen wir dann endlich das magische Schild: «US 101». Dieser Name, ausgesprochen One o' One [uan-ou-uan], zergeht vielen Radlern auf der Zunge. Der Highway entlang der amerikanischen Westküste gehört zu den wohl beliebtesten und schönsten Radtouren. Bevor wir den Pazifik aber erreichen, müssen wir ihn uns noch mit einer letzten Steigung erarbeiten. Was sofort auffällt, ist der in vielen Reiseführern versprochene Wind, der im Sommer fast immer aus Norden weht und beträchtliche Stärken annehmen kann. Daher bleibt als Reiserichtung eigentlich auch nur die Nord-Süd Variante.

Sobald wir die letzte Kuppe hinter überwunden haben, erhaschen wir einen ersten Blick auf das ersehnte Blau und rollen erwartungsvoll nach Canon Beach. Unser erstes Ziel ist natürlich der Pazifik, der uns im wahrsten Sinne des Wortes stürmisch begrüßt. Canon Beach ist ein nett anzusehender Ort, aber völlig touristisch mit entsprechendem Preisniveau. Wir legen eine längere Pause bei dem hiesigen Supermarkt ein, wo wir unsere Vorräte aufstocken und mit Bananen und Milch, einer bewährten Kombination, verbrauchte Kräfte wieder mobilisieren. Anschließend gönnen wir uns noch einen kleinen Imbiss im Café. Direkt bei Canon Beach kann man den Haystack Rock bewundern, den drittgrößten Monolithen der Erde. Er ragt über 70 Meter aus dem Meer.

Haystack Rock

Wir verlassen den Ort und stoßen wieder auf die 101 nach Süden. Der Wind weht uns auf leicht hügeliger Piste vorwärts, bis die Straße am Oswald West State Park die Küste kurzzeitig verlässt. Gleichzeitig beginnt hier eine längere Bergetappe, eingeleitet durch einen Tunnel. Dieser Tunnel ist allerdings sehr fahrradfreundlich ausgelegt, man kann mit Knopfdruck eine Warnanlage über dem Eingang aktivieren, die den Autofahrern die Anwesenheit von Radlern signalisiert. Trotzdem sind wir froh, wieder Tageslicht zu sehen, zumal es ziemlich bergauf geht. Doro macht einen ziemlich erschöpften Eindruck, kämpft aber wacker weiter. Es geht wieder bergab zur Küste, dann noch einmal heftig nach oben. Die Belohnung ist ein phantastischer Ausblick über die Nehalem Bay.

letzter Anstieg vor der Nehalem Bay

Am Aussichtspunkt werde ich fast von einem Wohnmobil umgenagelt. Die Fahrerin stürmt auf mich zu, aber anstatt mit einer Entschuldigung werde ich mit Fragen überhäuft. Sie will hier nächstes Jahr auch eine Radtour machen, wie wir denn die Tour gestalten, was für Karten wir haben, wo wir übernachten. Die sollte erst mal rücksichtsvoll Auto fahren lernen. Mit der Nehalem Bay erreichen wir auch gleichnamigen State Park, wo wir heute Nacht unser Zelt aufbauen wollen. Am Eingang bekommen wir einen ziemlichen Schreck, ein Hinweisschild sagt uns «Nehalem Bay State Park - Full». Natürlich, es ist ja immer noch Wochenende, aber wir sind entschlossen, uns nicht abwimmeln zu lassen. Unsere Sorge ist unbegründet, hier lernen wir zum ersten Mal die Einrichtung der «Hiker Biker Sites» kennen, Plätze nur für Wanderer und Radfahrer. Noch dazu sehr günstig, 4 Dollar pro Person.

Wir finden einen tollen Platz vor, den wir mit weiteren Radlern und Wanderern teilen. Überhaupt ist dieser State Park sehr schön, er liegt mitten in einem niedrigen Wald, die sandigen Wege laden zum barfuss gehen ein.

wilde Westküste

Vor dem Abendessen spazieren wir noch zum Strand, der gleich hinter einer Düne beginnt. Hier erleben wir Westküste pur, so wie man sie sich vorstellt. Endloser Strand, orkanartiger Wind und tausende von Baumleichen, die vor den Dünen eine bizarre Kulisse bilden. Das Wasser ist sehr frisch, mehr als ein Fußbad ist da trotz Abhärtung in den Braunschweiger Seen nicht drin. Der Abend wird wieder durch ein leckeres Essen gekrönt, Spaghetti mit gehaltvoller Salsasoße, die nach einem langen Tag wie diesem genau das Richtige sind. Auch können wir nach dem Essen den Luxus einer Dusche genießen.

61,28 Kilometer / 400 Höhenmeter

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