Run with the Wind

von Portland zum Pazifik


Banks    Inhalt    endlich am Pazifik

Hektik auf der US 26

Mit dem neuen Tag musste eine Entscheidung getroffen werden: Auf der US 6 nach Tillamook oder auf der US 26 nach Cannon Beach mit seinen spektakulären Monolithen. Erstere Variante wäre wohl etwas weniger befahren und landschaftlich reizvoller, stößt aber auch eine ganze Ecke weiter südlich zur Küste. Unsere Wahl fiel nach langem Hin- und Her dann doch auf Cannon Beach. Es ging gut an, die Strecke von Banks bis zur US 26 war ruhig und eben, wir pedalierten locker auf dem Nehalem Highway dahin. Mit der US 26 änderte sich die Lage aber schlagartig. Es ist Wochenende und halb Portland zieht es zur Küste. Verkehr ohne Ende, wir mussten uns erst einmal gegenseitig Mut zusprechen. Hinter Staleys Jct. ging es richtig zur Sache, der erste Pass mit 330 Höhenmetern war zu überwinden. Teilweise bestand der Seitenstreifen aus Schotter, so dass wir auf die Straße ausweichen mussten. Ein zweifelhaftes Vergnügen, die Massen von Autos zogen gnadenlos dicht an uns vorbei. Uns stand nicht nur wegen der Hitze der Schweiß auf der Stirn.

Vorsicht, Tunnel!

Kurz vor dem Pass dann noch ein Schmankerl in Form eines Tunnels, die Durchquerung war gefahrlos nur schiebend zu machen, möglichst dicht am Felsen. Hinter dem Tunnel, der uns noch in den Ohren klingelte, wurden wir endlich mit einer Abfahrt belohnt. Wir rollten an der nächsten Kreuzung aus und schoben an einem kleinen Fischteich eine Pause ein.

Die Fahrt wurde härter, es war mittlerweile sehr warm, ein zweiter Pass forderte 320 Höhenmeter von uns ab. Doro, die bis dahin klaglos durchgehalten hatte, schien langsam am Ende zu sein. Auch mir machte immer noch die Erkältung zu schaffen. Die ersten Tage hatte ich mir doch etwas anders vorgestellt, das Schlimmste an der Strecke war der Verkehr. Wir legten an einem Aussichtspunkt eine weitere Pause ein. Hier gab der Wald einen ersten Blick auf die großen schneebedeckten Vulkane der Cascade Range frei. Aber es half nichts, wir mussten weiter. Hinter dem Pass erwartete uns eine wirklich atemberaubende Abfahrt bis Jewell Jct. Dort deckten wir uns ein schöner Platz im Wald mit Wasser für eine evtl. Übernachtung im Wald ein, ein Eis hob unsere Stimmung noch ein Quäntchen. Die Auskunft des Ladenbesitzers war allerdings ernüchternd. Vor uns lag ein weiterer Anstieg, zwar nicht so lang wie die ersten beiden, aber jegliche Art von Steigung konnte das temporäre Stimmungshoch nur zu Fall bringen. Mit dem nächsten Berg schwanden Doro's Kräfte zusehends, ich hielt Ausschau nach einem passenden Übernachtungsplatz. Ein Abstecher in den wunderschönen Wald endete bald vor einem Sperrschild, also weiter bergauf. Schließlich wurden wir doch fündig, ein schönes Plätzchen an einem überwachsenen Waldweg.

Mir stachen die vielen schwarzen Würste ins Auge, ob das Bärenkot war? Vorsichtshalber verschwand unser Lebensmittelvorrat und die Kulturtaschen nach dem Abendessen in einem Packsack, der an einen nahen Baum gehängt wurde. Ein vorbeikommender Bär hätte sich wahrscheinlich totgelacht, das Bäumchen war viel zu dünn für den schweren Sack und bog sich weit nach unten. Damit hingen unsere Delikatessen genau in Bärennasenhöhe. Egal, wir hatten guten Willen gezeigt und legten uns nach einer Wasserflaschendusche zufrieden schlafen.

62,16 Kilometer / 800 Höhenmeter

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